Der Kennenlerntermin, der keiner wurde
Manche Geschichten klingen erfunden. Diese hier ist es nicht.
Alles begann mit einer E-Mail. Eine Kundin fragte an, ob ich ihre beiden Katzen für drei Tage betreuen könnte. Sie müsse kurzfristig ins Krankenhaus. Schon der Ton ihrer Mail machte mich unsicher. Ich entschied mich, abzulehnen.
Es war ein paar Wochen später, als mir eine E-Mail ins Auge fiel. Name und Zeitraum kamen mir sofort bekannt vor. Sie schrieb, dass sie ins Krankenhaus müsse und niemanden für ihre Katzen hätte. Ob ein Kennenlerntermin möglich wäre. Diesmal sagte ich zu, hatte aber ein mulmiges Gefühl im Bauch.
Wir telefonierten vorab. Sie sei Langschläferin, sagte sie. Frühe Termine kämen nicht infrage. Also schlug ich 14 Uhr vor.
Mein Telefon klingelte um 13 Uhr. Es war der vereinbarte Tag. Sie wollte wissen, ob es bei 14 Uhr bleiben würde – sie sei gerade erst aufgestanden. Ich antwortete, ich könne sogar schon um halb zwei da sein.
Zu früh. Sie müsse noch duschen. Sich fertig machen. Gut. 14 Uhr.
Ich kam an. Suchte die Hausnummer. Suchte den Eingang. Klingelte. Nichts. Ich klingelte noch einmal. Nichts.
Ich rief sie an. Keine Antwort. Ich schrieb eine WhatsApp: „Hallo ... ich stehe unten vor der Haustür." Da – endlich – ging die Tür auf.
Natürlich wohnte sie ganz oben. Dritter Stock in einem alten Patrizierhaus. Hohe Decken, breite Stufen – gefühlt fünf Etagen statt drei. Ich stieg hoch. Stufe für Stufe. Schon völlig genervt von der ganzen Situation. Kam endlich an.
Sie erwartete mich an der geöffneten Wohnungstür. Und ich dachte, ich sehe nicht richtig. [...]